gilles 1 kZum 24. Mal Preis für besonderen Einsatz für den Tierschutz vergeben

Burgbrohl. Umweltministerin Ulrike Höfken hat am Dienstag, 13. März 2018, den Tierschutzpreis 2017 verliehen.

Drei Preisträger teilen sich die Auszeichnung: Tierarzt Markus Gilles aus Burgbrohl, der Verein Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e. V. sowie Waltraud Prokopeck aus Pirmasens. Der mit insgesamt 6.000,00 Euro dotierte Preis für besonderen Einsatz für den Tierschutz wurde bereits zum 24. Mal vergeben.

Die Auszeichnung soll dazu dienen, die Tätigkeit einzelner Personen und das Engagement von Gruppen im Tierschutz hervorzuheben und in besonderer Weise zu honorieren. Gleichzeitig soll er Anreiz sein für weiteres Engagement und als Vorbild für andere dienen“, betonte Umweltministerin Ulrike Höfken bei der Feierstunde. Als Anerkennung für diesen Einsatz schreibe die Landesregierung nicht nur jedes Jahr den Tierschutzpreis aus, sondern sie fördere auch rheinland-pfälzische Tierschutzorganisationen und Tierheime finanziell. So seien allein 2017 rund 670.000,00 Euro bewilligt worden, erklärte Höfken. „Tierschutz ist eine Daueraufgabe, um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. So werden Tiere als Haustiere angeschafft, ohne dafür die Kenntnisse, Fähigkeiten und räumlichen Möglichkeiten zu haben. Das führt oft zur Überbelegung von Tierheimen. Aufklärung alleine hilft leider nicht immer weiter. Einige gesetzliche Rahmenbedingungen müssen dringend geändert werden. Wir werden weiter in unserem Bemühen fortfahren, eine Änderung des Tierschutzrechts und damit einen besseren Schutz der Tiere zu erreichen“, so die Ministerin.

Den Tierschutzpreis des Landes RLP 2017 erhält in der Kategorie „vorbildlicher Einzelbeitrag für den Tierschutz“ der Burgbrohler Tierarzt Markus Gilles, der sich seit dem Jahr 2009 des Problems der unkontrollierten Vermehrung von freilaufenden Katzen zum Schutz der Tiere in der Gemeinde Burgbrohl annimmt. Von ihm wurde das sogenannte „Burgbrohler Modell“ ins Leben gerufen. Dabei werden bei tierschutzrelevanten Sachverhalten Fangaktionen durchgeführt und Kastration auf Kosten der Ortsgemeinde Burgbrohl und mit Unterstützung der Tierarztpraxis von Herrn Gilles schnell und unbürokratisch vorgenommen. Das Burgbrohler Modell hat nicht nicht zu einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen geführt, sondern hat zusätzlich bei den Bürgerinnen und Bürgern ein verstärktes Bewusstsein für den Tierschutz geschaffen.

gilles 2 kAm Donnerstag, 15. März 2018, gratulierten der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Brohltal, Johannes Bell, sowie Ortsbürgermeister Walter Schneider und die Ortsbeigeordneten Simone Schneider und Dirk Hansen dem Preisträger zum Erhalt des Tierschutzpreises 2017. Sie freuten sich mit dem Preisträger über diese Auszeichnung. Ortsbürgermeister Walter Schneider überreichte Manfred Gilles als Anerkennung das Glaswappen der Ortsgemeinde Burgbrohl.

Doch wie kam es zu der Auszeichnung? „Angefangen hat alles im Spätsommer 2009“, erklärte Manfred Gilles. Damals hatte in Burgbrohl die Zahl der verwilderten Katzen so zugenommen, dass es zu größeren Problemen kam. „Wenn man die Mülltonnen zur Abfuhr draußen bereit stellte, musste man sie mit einem Stein beschweren, weil ansonsten die Katzen sich über den Inhalt der Tonnen hermachten“, erklärte Gilles. Es kam zu verschiedenen Gesprächen zwischen Tierschützern (unter anderem Joachim Huber) und der Ortsgemeinde. Die Ortsgemeinde Burgbrohl veranschlagte auf seine Initiative hin im Haushalt einen Betrag für den (Tierschutz) und stellte damit auch Geld für die Kastrationsaktionen zur Verfügung.

„Burgbrohler Modell“

Die Absprachen sahen vor, dass man seitens der Ortsgemeinde frei lebende verwilderte Katzen in den verschiedenen Quartieren, welcher sich als Problemzonen darstellten, einfing und auf Kosten der Ortsgemeinde kastrieren ließ. Diese Kastrationsaktionen wurden von einer breiten Mehrheit des Gemeinderates getragen. „Diese regionale, tierschützende Vorgehensweise erwies sich als ungemein effektiv, kostengünstig, tierschutzmäßig enorm fundiert und in jeglicher Hinsicht befriedigend“, blickte Gilles zurück.

„Daraus entstand dann im Dezember 2014 die Weiterentwicklung in Anlehnung an das „Paderborner Modell“, welches bundesweit viele Nachahmer fand, jedoch in Rheinland-Pfalz von der ADD stets ausgehebelt wurde: das „Burgbrohler Modell“. Das „Burgbrohler Modell“ führte die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht in Burgbrohl ein“, resümierte Gilles. Man habe sich hier in einer „Grauzone“ bewegt, denn diese Regelung setzte voraus, dass man die Katzenschutzverordnung über die Gefahrenabwehr regulieren könnte. Man nutzte also die rechtlichen Grundlagen, welche sich anboten und akzeptierte dabei, dass man potenziell angreifbar war, denn es herrschte Einigkeit darüber, dass die Überpopulation von verwilderten Katzen sowie die damit einhergehende Katzennot und die Überbelastung von Tierschutzvereinen und Tierheimen langfristig nur durch die Verhinderung unkontrollierter Vermehrung zu erreichen sei. Mit diesem „Burgbrohler Modell“ konnten ebenfalls sehr positive Erfahrungen gemacht werden und die hiesige Bevölkerung trug die Vorgehensweise der Ortsgemeinde auf sehr breiter Basis mit. Man warb im weiteren Verlauf natürlich für diese Vorgehensweise und versuchte, diese auf breiterer Basis weiter zu entwickeln.

VG Brohltal als Vorreiter

„Nach ersten Kontakten mit der Landesregierung Rheinland-Pfalz (über den damaligen MdL Marcel Hürter und Ortsbürgermeister Walter Schneider) kooperierten viele andere mit uns und auch im Verbandsgemeinderat Brohltal wurde das Interesse geweckt (insbesondere über VG-Ratsmitglied Ute Durwish)“, wusste Manfred Gilles zu erklären. Gleichzeitig habe die Landesregierung auch aufgrund des Drucks durch das „Burgbrohler Modell“ und die anlaufenden Brohltaler Aktivitäten endlich die durch die Bundesregierung gesetzlich eröffneten Freiräume aufgegriffen und ausgefüllt und die Möglichkeiten des § 13 b TierSchG umgesetzt, war die Meinung von Manfred Gilles. Der wies in diesem Zusammenhang auch auf die vielfältigen Aktivitäten seitens der regional im Brohltal aktiven Landes- und Lokalpolitiker, Bürger und Tierärzte hin.

gilles 2 kNachdem die Landesregierung dann im Frühjahr 2015 den gesetzlichen Rahmen eröffnete, alles auf der Grundlage des § 13b des Tierschutzgesetzes regional zu ordnen, folgte der VG-Rat der Verbandsgemeinde Brohltal einem Antrag der SPD-Fraktion zum Erlass einer Katzenschutzverordnung für das Brohltal. Man beschloss als erstes, einen Informationsabend für Mitglieder des Verbandsgemeinderates sowie für alle Bürgermeister der Verbandsgemeinde Brohltal und für interessierte Bürger im Frühjahr 2016 anzuberaumen. Als Fachberater lud man die Tierärzte der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Gilles, Burgbrohl, ein, um ein Grundsatzreferat zum Thema zu halten. „Es war ein gut besuchter und konstruktiv kritisch diskutierter Abend, an dessen Ende des Abends man sich mit dem formulierten politischen Willen trennte, herauszufinden, ob man

  1. im Brohltal gemäß § 13 b TierSchG ein Notstandsgebiet sei und
  2. auf Ebene der VG Brohltal einen breiten politischen Konsens etablieren könne.

„Es bedurfte mannigfaltiger Diskussionen und einer fundierten politischen Meinungsbildung. Dennoch, am Ende stand eine für Rheinland-Pfalz einmalige Verordnung: die seit dem 1. Juli 2016 in Kraft getretene Rechtsverordnung über die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen für das Gebiet der Verbandsgemeinde Brohltal.

Damit übernahm die Verbandsgemeinde Brohltal eine Vorreiterrolle in Rheinland-Pfalz. „Seitens des Landestierschutzbeirates Rheinland-Pfalz wurde die Vorgehensweise im Brohltal auffallend deutlich gelobt und man kam nicht umhin, sich bei der Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal sowie der Tierarztpraxis Gilles Erfahrungen und Tipps der politischen Umsetzung einzuholen“, stellte Manfred Gilles erfreut fest.

Auch seitens der Landesregierung Rheinland-Pfalz sowie der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz war man sehr überrascht und hoch erfreut über die schnelle, nachhaltige und zukunftsweisende Vorgehensweise im Brohltal.

„Es bleibt der tiefe Wunsch, dass unsere Vorgehensweise Schule macht. Erste Anfragen seitens verschiedener benachbarter aber auch überregional interessierter Kommunen liegen bereits vor. Wir hofften und hoffen natürlich auf einen Schneeballeffekt“, stellte Tierarzt Manfred Gilles voller Erwartung fest. Er habe die Auszeichnung gerne entgegengenommen, sieht sie allerdings nicht für sich alleine, sondern als Vertreter all derjenigen, die bei diesem Vorhaben mitgeholfen und mitgearbeitet haben. Das Preisgeld wolle man in verschiedenen Projekten des Natur- und Tierschutzes einsetzen, wobei er auch schon ganz konkrete Vorstellungen für neue Projekte im Auge hat.